Deutsche Übersetzung in Fraktur

RalfGesellensetter rgx at gmx.de
Wed Jan 2 13:26:50 CET 2008


Hallo Gerrit,
Dir und allen zunächst ein FROHES NEUES JAHR 2008!

Dein paläolinguistischer Enthusiasmus evoziert Reaktionen zwischen 
Wohlwollen und Kopfschütteln. Immerhin wurden einige wichtige Einwände 
(Zeit und Zweck) bereits genannt, so dass wir uns nun der technischen 
Seite widmen können...

Am Samstag 29 Dezember 2007 schrieb Gerrit Sangel:
> Schade, dass ich nicht programmieren kann, sonst würde ich die Sache
> wohl selber in die Hand nehmen.

Wer sagt, dass du nicht "programmieren" kannst? Wer fremde und alte 
Sprachen spricht, vermag sich auch in die Syntax von C++ einzudenken. 
Vielleicht beginnst du aber erst einmal mit Logo (Kturtle) oder Basic 
(Gambas) ;)

Ich denke aber, dass vor der Implementation weitere konzeptionelle 
Überlegungen notwendig sind. 
- Unicode/UTF8: Offenbar gibt es für Ligaturen eigene Zeichencodes.
  Bekannt war mir das arabische La. Wie sieht es bei der Unterscheidung 
  zwischen Eigen- und Fremdwärtern im Japanischen aus? Wird hier 
  lediglich (wie von dir vorgeschlagen) der Zeichensatz gewechselt,
  oder gibt es eigene Codes für Katakana und Hiragana? Wenn dem so ist
  wäre die eleganteste Lösung, die Frakturschrift zum Alphabet zu 
  befördern und eigene Codes vorzusehen.
- Locale: Du möchtest nicht nur das Schriftbild anpassen, sondern auch
  die Rechtschreibung (und womöglich den Diktus) des (vor)vergangenen
  Jahrhunderts aufgreifen. Dies erfodert aus meiner Sicht dir Einführung
  einer neuen (Sub-)Locale. Moodle verwendet de_du als Variante, in der
  der Leser geduzt wird. Gibt es für Altgriechisch eine eigene Locale?
  Wie steht es mit Latein? Sollten obsolete/historische ("tote") 
  Sprachen ggf. zu einer Locale "hi" vereint werden: hi_DE wäre 
  altdeutsch, hi_el altgriechisch etc.?

Gibt es eine Wikipedia in Fraktur? Bei Wikimedia entstehen ja die 
exotischsten Ableger: von Volapük über Klingonisch bis hin zu Elbisch 
ist m.W. alles vertreten (was ist mit Gotisch?)- und standardisiert 
(UTF, Locale).

Als "Proof of Concept" solltest du dir vielleicht ein kleineres Dokument 
als ausgerechnet die KDE-Dokumentation vornehmen. Interessenten 
könntest du auch im Projekt Gutenberg finden, wenn es darum geht, 
historische Texte authentisch zu reproduzieren.

Abschließend kann ich mir nicht verkneifen, auf die negative Konnotation 
frakturgesetzter Dokumente zu kommen. Nicht ganz ohne Grund erinnern 
altdeutsche Lettern eher an revanchistisches Gedankengut denn an 
technologischen Fortschritt bzw. demokratische Software. 

Gruß
Ralf


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